
Störche lieben den Ausblick in die Weite der Natur. Einer der Gründe, warum sie ihre Nester gerne auf Haus- und Kirchendächern bauen. Seit einigen Jahren vermehrt aber auch auf Strommasten. So auch die Störche in Brigachtal, die schon vor 10 Jahren ein Nest auf dem Hochspannungsmasten am Ortseingang von Brigachtal-Kirchdorf gebaut haben. Dass ihr Nest auch irgendwann aus Sicherheitsgründen abgebaut werden würde, damit hatten sie sicherlich nicht gerechnet. Aber genau das ist nun geschehen.

Diese Hochspannungsleitung gehört zum Netz der TransnetBW. Regelmäßig werden die Masten vor Ort überprüft, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und Störungen im Stromnetz zu vermeiden. Claudia Halici, Pressesprecherin von TransnetBW, erklärt dazu auf Nachfrage: „Es kommt immer wieder vor, dass Vogelnester von Strommasten entfernt werden müssen, nämlich dann, wenn sie den sicheren Stromtransport gefährden.“ Wie auf dem aktuellen Foto von TransnetBW zu erkennen ist, hingen Äste von einem der beiden Nester bis aufs Leitseil, was ein Sicherheitsrisiko bedeutet. Mitte November rückte also ein Reinigungsteam von TransnetBW an und entfernte beide Nester auf dem Masten.
Weißstörche sind eine streng geschützte europäische Vogelart. Laut Verfügung des Regierungspräsidiums dürfen deren Nester nur in begründeten Ausnahmefällen von Fachleuten und nach vorheriger Genehmigung durch die Naturschutzbehörde entfernt werden. Auf Nachfrage erklärt Sarah Maier, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim RP Freiburg: „Aufgrund der Lage der Nester und des damit verbundenen Gefahrenpotenzials war ein sicherer Freileitungsbetrieb nicht mehr möglich, sodass die Nester im Interesse der öffentlichen Sicherheit entfernt werden durften.“
Für unseren Storchenbeauftragter im Landkreis, Manfred Bartler, ist das bei weitem kein Einzelfall und kommt öfters im Jahr vor. „Es viel besser, so ein Nest vor einem Schadensfall sicher für Mensch und Tier zu entfernen, denn bei einem Kurzschluss kann es auch leicht zu einem Brand kommen“, erklärt der Experte aus Erfahrung. So hatte in der Vergangenheit unter anderem schon mal ein Nest auf einem Strommasten bei der Donaueschinger Kläranlage gebrannt.
Im Herbst und Winter, also nach der Brutzeit, war die Entfernung eines Nestes bisher auch kein Problem für die Störche, denn da waren sie alle längst zur Überwinterung in den Süden geflogen. Das ist inzwischen anders. Während die Jungvögel üblicherweise immer noch Ende August bis Spanien und Portugal in die Wärme fliegen, überwintern immer mehr ältere Vögel in unserer Heimat. So auch die Brigachtaler Störche. Laut Bartler ist aber der Nestverlust in dieser Jahreszeit kein Problem für die Tiere, denn sie halten sich in der kalten Jahreszeit eh lieber an anderen hoch gelegenen, wärmenden Plätzen auf. Üblicherweise auf Dächern, nahe dem warmen Kamin oder sogar auf Straßenlaternen, deren Lampen auch mollige Wärme nach oben abstrahlen. Und im Frühjahr bauen sie dann einfach ein neues Nest. „Wenn bei den Störchen der Bruttrieb einsetzt, dann bauen die solch ein Nest innerhalb von einer Woche auf“, weiß Bartler aus eigener Beobachtung zu berichten. Und das kann überall geschehen, durchaus auch wieder auf genau demselben Hochspannungsmasten, denn Störche lieben den Überblick und suchen sich normalerweise den höchsten und somit besten Aussichtspunkt aus. Das können z. B. Dachfirste, Kamine oder vermehrt auch Hochspannungsmasten sein. Aus diesem Grund nimmt ja auch die Anzahl der Nester auf den Stahlgittermasten entlang der Bundesstraße bei Donaueschingen jedes Jahr weiter zu. Und so lange die noch kein Sicherheitsproblem sind, bleiben deren Nester dort auch erst einmal erhalten.

Wer Nester entfernt, ohne vorher eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung einzuholen, der verstößt gegen das geltende Naturschutzrecht (§ 44 BNatSchG). Das Entfernen von bestehenden oder im Aufbau befindlichen Nestern – oder die Umsetzung von Abwehrmaßnahmen an solchen Stellen – darf nicht ohne artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der höheren Naturschutzbehörde stattfinden.